Ernährungssicherheit Schweiz
Die Inlandproduktion deckte zuletzt brutto — % des Kalorienverbrauchs, so wenig wie nie seit Beginn der heutigen Statistik. Pro Kopf und Tag erzeugt die Landwirtschaft rechnerisch noch — kcal, bei einem Verbrauch von — kcal. Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung auf — Personen.
2024, provisorisch. Ohne Produktion aus importiertem Futter. Mittel 2022–2024: — %.
Die Inlandproduktion ernährt rechnerisch immer weniger Menschen
Absolut: Nahrungsenergie aus Schweizer Produktion in Terajoule. Pro Kopf: geteilt durch die mittlere Jahresbevölkerung und die Tage des Jahres. Rechnerisch ernährt: mittlere Bevölkerung mal Selbstversorgungsgrad. Brutto zählt die ganze Inlandproduktion, netto nur die ohne importiertes Futter. Eigene Berechnung aus Agristat- und BFS-Werten. Bis 2006 gilt die alte Berechnungsmethode der Nahrungsmittelbilanz.
Bevölkerung nach Versorgung, in Mio. Personen
- Rechnerisch aus Inlandproduktion ernährt
- Auf Importe angewiesen
Bis 2006 alte Berechnungsmethode, die Werte davor sind nur bedingt mit heute vergleichbar.
Entwicklung seit 2000, Index 2000 = 100
- Bevölkerung
- Verbrauch total
- Inlandproduktion
- Inlandproduktion pro Kopf
Die Schere: Die Bevölkerung wächst, die Inlandproduktion schrumpft, pro Kopf sinkt sie am stärksten.
Selbstversorgungsgrad seit 2000
Inlandproduktion in Prozent des Verbrauchs, gemessen in Nahrungsenergie. Netto zieht die Tierproduktion aus importiertem Futter ab. Die gestrichelte senkrechte Linie markiert die Umstellung der Berechnung 2006/07. Ein hohler Punkt heisst: Nettowert nach alter Methode oder provisorisch.
- Brutto
- Netto
- Pflanzlich
- Tierisch
- Brutto im Mittel 2010–2019
Die verdeckte Abhängigkeit liegt im Futter
Tierische Produkte erreichen brutto fast Vollversorgung. Rechnet man das importierte Kraftfutter heraus, bleibt deutlich weniger.
Vorbehalte zu den Zahlen
- Zwei Bezugsperioden kursieren: das Dreijahresmittel des Agrarberichts und das provisorische Einzeljahr. Beide stimmen, die Periode gehört immer dazu.
- Die Nahrungsmittelbilanz wurde 2007 methodisch umgestellt. Werte bis 2006 sind nur bedingt mit heute vergleichbar.
- Pflichtlagerbestände, die Proteinfreigabe 2026 und internationale Vergleiche stammen aus Sekundärquellen.
- Das Kalorienpotenzial ohne Importe rechnet noch mit der Bevölkerung von 2013.
- BLW und BAZG grenzen den Agrarhandel unterschiedlich ab. Ihre Zahlen nicht miteinander verrechnen.
Alle Jahreswerte seit 2000 auf einen Blick. Die Veränderung vergleicht den ersten mit dem letzten verfügbaren Jahr, bei Prozentwerten in Prozentpunkten (Pp). Leere Felder: Für dieses Jahr gibt es keinen Wert oder er ist noch nicht publiziert.
Verläufe
Jahreswerte 2000 bis 2025
2024 meist provisorisch, 2025 teils Schätzung. Brüche: Nahrungsmittelbilanz 2006/07, Bevölkerung 2010/11, Bundesrechnung 2008, Direktzahlungssystem 2014. Agrarhandel 2001–2004 fehlt. Die Quelle steht in der letzten Spalte.
| Indikator | Einheit | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | Veränderung | Zeitraum | Quelle |
|---|
Der Rückgang der Selbstversorgung kommt fast ganz aus dem Pflanzenbau. Nasse Jahre, weniger zugelassene Pflanzenschutzmittel und Extensivierung trafen vor allem Getreide und Zucker.
Inlandproduktion in Terajoule
Für den Menschen verwertbare Nahrungsenergie, pflanzlich und tierisch gestapelt. Der Verbrauch lag 2024 bei — TJ, also rund doppelt so hoch.
- Pflanzlich
- Tierisch
Selbstversorgungsgrad nach Produktgruppe
Brutto, Energiebasis, in Prozent. Rot: 2024 deutlich unter dem Mittel 2010–2019. Der Wert für Hülsenfrüchte 2023 ist im Original zu prüfen.
| Produktgruppe | Ø 2010–19 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|
Fläche und Struktur
Pro Kopf wird weniger gegessen, insgesamt aber nicht, weil die Bevölkerung wächst. Rund ein Drittel der verfügbaren Lebensmittel geht als Verlust verloren.
Bevölkerung und BFS-Szenarien
Millionen Personen. Bestand Ende Jahr, danach Szenarien des BFS vom April 2025. Das Wachstum kam 2025 zu — % aus der Zuwanderung.
- Bestand
- Szenario
Nutzfläche pro Kopf
Quadratmeter landwirtschaftliche Nutzfläche pro Person bei gleichbleibender Fläche. Eigene Berechnung aus BFS-Werten.
Verbrauch pro Kopf und Jahr
Kilogramm, Nahrungsmittelbilanz von Agristat, 2024 provisorisch. Enthält Verluste, ohne Einkaufstourismus.
| Produkt | Ø 2010–19 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|
Teuerung: Nahrungsmittel gegenüber Gesamtindex
Jahresteuerung in Prozent, Landesindex der Konsumentenpreise.
- Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke
- Gesamtindex
Lebensmittelverluste nach Stufe
Tonnen und Kilogramm pro Kopf, Schätzung 2024. Pro Kopf — % seit 2017, Ziel bis 2030 — %.
Ziel 2030 ausser ReichweiteEin Grossteil der verbrauchten Nahrungsenergie wird importiert, ein Teil davon verarbeitet wieder exportiert. Für die Versorgung entscheidend sind wenige Warengruppen: Getreide, Zucker und Speiseöle sowie Futter, Dünger, Saatgut und Pflanzenschutz. Der grösste Importüberschuss in Franken entsteht dagegen bei Früchten, Gemüse, Getränken und Fleisch.
Was die Schweiz für ihre Versorgung importieren muss
- Grundnahrungsmittel
- Futter und Saatgut
- Tierische Lebensmittel
- Obst und Gemüse
- Verarbeitete Lebensmittel
- Genuss, Getränke, Nicht-Nahrung
Importierte Nahrungsenergie nach Lebensmittelgruppe
Terajoule 2024, provisorisch (Nahrungsmittelbilanz). Kaffee, Kakao und Zucker werden zu einem grossen Teil verarbeitet wieder exportiert. Die Kategorie entscheidet die Farbe; im Tooltip stehen Importanteil am Verbrauch und Inlandanteil.
Handelssaldo nach Versorgungskategorie
Mio. CHF, Zolltarifkapitel 1–24 zusammengefasst, 2010 gegenüber 2025. Links Importüberschuss, rechts Exportüberschuss.
- 2010
- 2025 (Farbe der Kategorie)
Versorgungskritische Importe
Relevanz nach der Logik der wirtschaftlichen Landesversorgung: Pflichtlagerwaren und Produktionsmittel, ohne die die Inlandproduktion einbricht, sind «hoch». Letztes verfügbares Jahr.
| Produkt | Relevanz | Jahr | Import t | Import Mio. CHF | Inlandanteil % | Pflichtlager | Hauptherkunft | Warum kritisch |
|---|
Quellen: Agristat SES 2025, Agristat Aktuell 2025-11, Réserve Suisse Geschäftsbericht 2025, BWL-Vorratshaltungsberichte 2019 und 2023, Proviande, UN Comtrade (Herkunft). Inlandanteile je nach Ware nach Energie, Menge oder Jahresbedarf; die Spalte «Abhängigkeit» in den Daten nennt die Basis.
Handelsbilanz nach Produktgruppen
Handelsbilanz nach Zollkapitel
Saldo in Mio. CHF, Exporte minus Importe. Farbe nach Versorgungskategorie.
Unterprodukte nach Zolltarifnummer
71 wichtige Produkte (4-stellige Tarifnummer), sortiert nach Saldo 2025. «Pflichtlager» nennt die Pflichtlagerware, zu der das Produkt gehört.
| Produkt | Tarif-Nr. | Kategorie | Pflichtlager | Import 2025 | Export 2025 | Saldo 2025 | Import 2020 | Import t 2025 | Export t 2025 |
|---|
Mio. CHF, Zolltarifkapitel 1–24 (Agristat SES 2010–2025, Daten BAZG). Kaffee und Weizen sind nur als Ganzes ausgewiesen; die Aufteilung roh/geröstet bzw. Weich-/Hartweizen gibt es erst auf 8-stelliger Ebene.
Zum Vergleich: BLW-Produktgruppen 2024
Saldo in Mio. CHF nach der breiteren BLW-Abgrenzung (WTO-Agrartariflinien, ohne Fisch, mit Riechstoffen). Nicht mit den Zollkapiteln verrechnen.
- Exportüberschuss
- Importüberschuss
Handelsabkommen mit Agrarbezug
Stand 1. November 2026. Der Grenzschutz bleibt hoch, geöffnet wird in kleinen Kontingenten.
| Abkommen | Stand | Inhalt für die Landwirtschaft |
|---|
Das Agrarbudget ist seit 2020 nominal eingefroren, real also gesunken. Innerhalb der Direktzahlungen hat der Bund von der Versorgungssicherheit zu den Produktionssystemen umgeschichtet. An der Urne gewinnt die Landwirtschaft seit 2020 jede Agrarvorlage.
Bundesausgaben für Landwirtschaft und Ernährung
Mio. CHF, Staatsrechnung. Das Total über den Balken.
- Direktzahlungen
- Produktion und Absatz
- Produktionsgrundlagen
- Weitere
Direktzahlungen nach Beitragsart
Mio. CHF, 2022 gegenüber 2025. Ohne Gewässerschutz- und Ressourcenprogramme.
- 2022
- 2025
Volksabstimmungen zu Landwirtschaft und Ernährung
Ja-Anteil in Prozent. Alle Vorlagen scheiterten. Einige Werte stammen aus Medien und sind gerundet, nicht aus den amtlichen Endresultaten.
Agrarpolitik 2030+
In der Vernehmlassung vom 2.9. bis 8.12.2026. Die Botschaft muss spätestens Ende 2027 vorliegen.
- Mehr Handlungsspielraum und weniger Administration; Direktzahlungen für Ökologie und Tierwohl stärker an Ergebnisse geknüpft.
- Besser funktionierende Märkte, mit mehr Unterstützung für Milch und für Ackerkulturen zur direkten menschlichen Ernährung.
- Produktionsgrundlagen und Ressourceneffizienz, inklusive Anpassung an den Klimawandel.
- Nachhaltige Wertschöpfungsketten mit Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel.
Politische Weichen seit 2020
- Juni 2024: Nach den Bauernprotesten kippt das Parlament die Pflicht zu Biodiversitätsförderflächen auf Ackerland; der Bundesrat setzt dies am 26.6.2024 um.
- März 2025: Das Parlament stockt den Zahlungsrahmen 2026–2029 auf.
- März 2026: Im Entlastungspaket 2027 streichen beide Räte fast alle Agrarkürzungen.
- 14.6.2026: Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» scheitert an Volk und Ständen.
- 27.9.2026: Die Ernährungsinitiative scheitert in allen Kantonen.
- Offen: Voranschlag 2027 in der Wintersession 2026.
Die Pflichtlager überbrücken einige Monate. Ein längerer Importausfall wäre nur mit einem radikalen Umbau von Anbau und Ernährung tragbar. Der Klimawandel macht die Ernten in beide Richtungen volatiler.
Pflichtlager nach Ware
Tonnen und Bedarfsdeckung, Stand 1.1.2026. Seit Oktober 2025 kommt Stickstoffdünger für einen Drittel des Jahresbedarfs dazu. Quelle Réservesuisse, zitiert vom LID.
Wasser für die Bewässerung
Mio. Kubikmeter. Im Trockenjahr 2022 brauchte die Landwirtschaft ein Vielfaches des nassen Vorjahres. Quelle Agroscope.
Weitere Risiken
- Nässe 2024 brachte die tiefste Brotweizenernte seit einem Vierteljahrhundert; der Bund erhöhte das Zollkontingent für Brotgetreide.
- Blockade der Strasse von Hormus 2026: Engpass bei Dünger und Proteinfutter, das BWL gab im August Proteinfutter aus den Pflichtlagern frei.
- Blauzungenkrankheit seit August 2024 in der ganzen Schweiz.
- Japankäfer breitet sich von Kloten nach Basel, Arth-Goldau und Bern aus.
- Zulassungsstau bei Pflanzenschutzmitteln; der Bundesrat will den Rückstand bis 2032 abbauen.
- Risikobericht KNS 2025: Langandauernde Strommangellage und Pandemie sind die grössten Risiken des Landes.