Vom Verhandlungsabschluss zur Volksabstimmung
Zehn Befunde
- Kern des Vertrags ist die dynamische, aber nicht automatische Übernahme von EU-Recht. Ein Volks-Nein bleibt erlaubt, hat aber einen festgelegten Preis: Schiedsgericht und verhältnismässige Ausgleichsmassnahmen.
- Die Schweiz hat dauerhafte Ausnahmen ausgehandelt: Daueraufenthalt nur für Erwerbstätige, Landesverweisung, Lohnschutz-Kerninstrumente, 40 Tonnen und LSVA, Agrarteil, Stromreserven.
- Das Paket ist vor allem eine Versicherung gegen schleichende Erosion. Die oft zitierten −4,9 % BIP beschreiben den Totalwegfall der Bilateralen I, nicht den Gewinn eines Ja.
- Die Vernehmlassung ist klar positiv: 74 % dafür, 22 Kantone, alle Parteien ausser SVP und EDU. Schwach gestützt sind die Schutzklausel (47 %), der Schweizer Beitrag (52 %) und der Kündigungsschutz (Massnahme 14: 46 von 61 dagegen).
- Über 98 % der Privateingaben lehnen ab, rund 90 % folgen aber wenigen Mustervorlagen. Sie sind eine organisierte Kampagne, kein Meinungsbild.
- Der Ständerat will das Ständemehr und verschärft die Zuwanderungsregeln (Schutzklausel als Pflicht, Zuwanderungsabgabe, eingeschränkter Daueraufenthalt, Strafregisterauszug). Den Lohnschutz lässt er unverändert.
- Damit wird ein früher Streitfall mit der EU wahrscheinlich, vor allem wegen Strafregisterauszug und Daueraufenthalt.
- Die grösste staatspolitische Verschiebung betrifft das Verhältnis von Parlament und Bundesrat: Neues Recht entsteht zuerst in Brüssel, wo die Verwaltung mitredet und das Parlament nur informiert wird.
- Gewinner sind vor allem exportierende KMU (Medtech, Maschinen) und die Spitzenforschung beim Zugang zum Wettbewerb um EU-Mittel, bei hohen Programmkosten für den Bund. Lasten tragen Bund und Kantone als Zahler, die Hochschulen bei den Studiengebühren, kleine Solarproduzenten, lokale Stromversorger und das Baunebengewerbe in Grenzkantonen.
- Die Abstimmung ist offen: Mit Ständemehr braucht es geschätzt 55–59 % Ja; die unabhängige Umfrage lag im Juni 2026 bei 46 %.
Die gewichtigsten Kritikpunkte
Ausführlich mit Belegen, Kritikern und Gegenargumenten im Bereich Kritik & Risiken.
Was in diesem Dossier steht
Vertrag
Aufbau in 9 Bundesbeschlüssen, die Mechanik der Rechtsübernahme, alle 13 Paketelemente mit Chancen und Risiken, Kosten.
Kritik & Risiken
Alle Negativpunkte im Detail: Souveränität, EuGH, Zuwanderung, Kosten, Föderalismus, Strom, Landwirtschaft und mehr.
Haushalte
Was sich für Familien, Studierende, Mieter, Stromkunden, Arbeitnehmende und Auslandschweizer konkret ändert.
Ständerat
Alle Abstimmungsresultate der Herbstsession, die Abweichungen vom Bundesrat und das weitere Vorgehen.
Vernehmlassung
Offizielle Ergebnisse, Kantonskarte, Parteien, eine durchsuchbare Tabelle aller 311 kodierten Stellungnahmen und die Privateingaben.
Konsequenzen
Drei Szenarien, Folgen für Demokratie, Kantone, Finanzen, Wirtschaft, Regionen und Haushalte, Gewinner und Verlierer, Zeitachse bis 2045.
Fragen Sie das Dossier
Frage in eigenen Worten eingeben, zum Beispiel «Was kostet das Paket pro Haushalt?» oder «Muss die Schweiz Urteile des EuGH übernehmen?». Die Antwort stammt aus den geprüften Inhalten dieses Dossiers, mit Quelle.
Die Antworten werden im Browser aus dem Dossier zusammengestellt (keine KI, keine Datenübermittlung). Sie ersetzen nicht die Lektüre der Quellen.
Häufige Fragen nach Thema
20 Abkommen, 9 Bundesbeschlüsse
Der Stabilisierungsteil tritt nur als Ganzes in Kraft. Die drei Abkommen des Weiterentwicklungsteils sind einzeln wählbar, setzen aber den Stabilisierungsteil voraus. Der Bundesrat beantragt für BB 1–4 das fakultative Referendum.
Stabilisierungsteil
Weiterentwicklungsteil
Dazu kommen ein jährlicher hochrangiger Dialog und eine gemeinsame Erklärung zur Übergangszeit seit Ende 2024.
Was passiert, wenn die Schweiz eine EU-Regel nicht übernimmt
Die Übernahme ist dynamisch, aber nie automatisch: Jede neue Regel braucht einen Beschluss der Schweiz, wichtige Übernahmen unterstehen dem Referendum. Sagt die Schweiz Nein, beginnt eine geregelte Kette. Ein Vertragsende wie bei Schengen gibt es nicht.
Vom EU-Erlass bis zu wirksamen Ausgleichsmassnahmen vergehen realistisch 4–7 Jahre eigene Schätzung. Ausgenommen vom ganzen Mechanismus ist der Agrarteil.
Kerninhalte und Kernnutzen für die Schweiz
Teil wählen. Jeder Teil zeigt Ausgangslage, Kerninhalte, Kernnutzen, Absicherungen, Umsetzung in der Schweiz, Kosten, Risiken, Vernehmlassung und Ständerat, mit Fundstellen in der Botschaft.
Wichtigster Nutzen je Vertragsteil
| Teil | Grundlage | Wichtigster Nutzen für die Schweiz | Hauptrisiko |
|---|
Brutto 1,4 Mrd., netto rund 0,5 Mrd. pro Jahr
Über 90 % gehen an EU-Programme und den Kohäsionsbeitrag. Horizon wird schon heute bezahlt, deshalb ist der netto neue Betrag deutlich kleiner. Die Kosten sind nach oben offen: EU-Budgets ab 2028, Erweiterungen.
| Posten | heute | mit Paket | netto neu |
|---|---|---|---|
| Horizon | ≈ 625 Mio. | ≈ 690–720 Mio. | wenig |
| Erasmus+ | ≈ 55 Mio. | ≈ 255–265 Mio. | +120 bis +210 Mio. |
| Kohäsion | Ø 130 Mio. | 350 Mio. | +220 Mio. |
| Übrige | – | 40–90 Mio. | neu |
| Total | ≈ 1,4 Mrd. (ab 2035) | ≈ 0,4–0,6 Mrd. |
Zahlen zum Vertrag
Alle Werte mit Fundstelle. Ein hochgestelltes ² bedeutet: nur aus Sekundärquelle belegt.
Eine Abwägung zwischen Rechtssicherheit und Gestaltungsfreiheit
- Dauerhafte Ausnahmen in den sensiblen Bereichen, die 2021 das Rahmenabkommen scheitern liessen
- Erstmals eine einseitig anrufbare Schutzklausel
- Geordnetes Streitverfahren statt willkürlicher Retorsion (MRA 2021, Börse 2019)
- Sektoriell statt horizontal: Konflikte bleiben begrenzt
- Der Preis eines Neins zu künftigem EU-Recht ist vorab festgelegt
- Der EuGH prägt bei EU-Rechtsbegriffen faktisch den Ausgang
- Kosten nach oben offen; Lasten wandern zu Kantonen und Gemeinden
- Spesenregel und Schutzklausel könnten sich im Ernstfall als schwach erweisen
Die Bilateralen III kommen zu einem dichten Vertragsnetz hinzu
Die Schweiz ist mit der EU über mehr als hundert Abkommen verbunden und mit jedem Mitgliedstaat zusätzlich über eigene Staatsverträge. Hier steht, was schon gilt, was die Bilateralen III ändern und wie das Volk bisher abgestimmt hat.
Vom Freihandel 1972 zu den Bilateralen III
Alle wichtigen Abkommen und was die Bilateralen III daran ändern
Zeile anklicken für Inhalt, Fundstelle und Link. «Guillotine» heisst: Fällt ein Abkommen, fallen die anderen des Pakets mit.
| Abkommen | Paket | Bereich | In Kraft | Wirkung Bilaterale III |
|---|
Wie das Volk zur Europapolitik abgestimmt hat
Ja-Anteil der Stimmenden; grün = angenommen, rot = abgelehnt. Stände nur, wo das Ständemehr nötig war (selbst berechnet aus den Kantonsergebnissen).
Bilaterale Staatsverträge mit jedem Land
Zahl der bilateralen Verträge in Kraft gemäss Systematischer Rechtssammlung (eigene Zählung, ±5 %). Land anklicken für die wichtigsten Verträge und Besonderheiten.
Was gegen das Paket spricht
Die zehn gewichtigsten Negativpunkte
Wer in der Vernehmlassung ablehnt
33 der 311 kodierten Organisationen lehnen das Paket ab, 12 sind ambivalent. Dazu kommen über 900 ablehnende Privateingaben, die grösstenteils Mustervorlagen folgen.
| Organisation | Kernaussage |
|---|
Allianz Kompass/Europa
Die Argumente von Kompass
Faktencheck: Was ist belegt?
Jede Behauptung von Kompass ist der Botschaft, den Vertragstexten, Studien und Fachstimmen gegenübergestellt. Das Urteil ist eine Einschätzung der Redaktion: belegt, teilweise belegt, umstritten oder nicht belegt.
Publikationen und Medienauftritte
Jeder Kritikpunkt mit Belegen und Gegenargument
Rot = hohe Tragweite, gelb = mittlere, grau = geringere (eigene Einschätzung). Die Argumente der Kritiker sind in ihrer stärksten Form wiedergegeben; darunter steht jeweils die Antwort des Bundesrates oder der Befürworter.
Was sich für Schweizer Haushalte ändert
Für die meisten Haushalte ändert sich im Alltag wenig direkt. Spürbar sind einzelne Punkte: Studium, Strom, Steuern über den Bundeshaushalt, Wohnen, Altersvorsorge bei Auswanderung, Rechte von Schweizerinnen und Schweizern in der EU.
Was kostet das Paket pro Haushalt?
Heute und mit dem Paket
Grün = eher Vorteil, rot = eher Nachteil, gelb = gemischt für die betroffenen Haushalte.
Ja zum Paket, aber mit Ständemehr
Der Ständerat beriet vom 28. September bis 1. Oktober rund 23 Stunden. Er nahm alle beratenen Bundesbeschlüsse an, überstimmte den Bundesrat bei der Referendumsfrage und verschärfte das Ausländerrecht. Das Stromabkommen ist noch in der Kommission.
| Vorlage | Datum | Ja : Nein : Enth. | Verhältnis |
|---|
Quelle: Abstimmungsprotokolle des Ständerats; Referendumsfrage, Gesamtabstimmung BB 1 und Massnahme 14 am Original geprüft. Inhalt von «Entwurf 10» ist noch zu klären.
Mitte und FDP gespalten
Nationalrat, Strom, Abstimmung
- APK-N berät am 19.–21.10., 5.–6.11. und 16.–18.11.2026; Plenum in der Wintersession (30.11.–18.12.).
- Differenz wahrscheinlich: Die APK-N lehnte die Verfassungsvorlage im Juni mit 15 : 9 ab, die SPK-N stimmte zu.
- Stromabkommen: UREK-S ist eingetreten (6 : 4 : 3), Ständerat voraussichtlich im Dezember.
- EU-Seite: Der Rat hat einstimmig unterzeichnet, der Aussenausschuss des EU-Parlaments stimmte am 10.9. mit 53 : 3 : 9 zu; das Plenum steht aus.
- Volksabstimmung frühestens Juni 2027, sonst März 2028 (Medienangaben).
Wo der Ständerat anders entschied
| Bereich | Beschluss | Resultat | Risiko Streitfall mit der EU |
|---|
Vernehmlassung und Ständerat
| Streitpunkt | Mehrheit in der Vernehmlassung | Entscheid Ständerat |
|---|---|---|
| Referendum | Ständige Teilnehmende 22 : 15 für fakultativ, Kantone 15 : 10 | obligatorisch mit Ständemehr |
| Massnahme 14 | 46 : 11 dagegen, aber Bedingung für SP und Gewerkschaften | beibehalten (26 : 19) |
| Schutzklausel | 47 % dafür, Kritik von beiden Seiten | verschärft (Pflicht, Zuwanderungsabgabe) |
| Beihilfebehörde | Kritik an der WEKO-Lösung (Mitte, SGB, Kantone) | Fassung WAK-S, eigenständigere Lösung |
| Mitwirkung Parlament | gefordert von FDP, Mitte, SP | ausgebaut (Brüssel-Stelle, Konsultation) |
| Erasmus+ | 87 % dafür, Mitte dagegen | knapp angenommen (23 : 19) |
Alle Abstimmungen in Rat und Kommissionen
Plenum Herbstsession 2026 und Vorberatung in den Kommissionen, mit Protokoll-Referenz.
Breite Zustimmung, Skepsis bei Umsetzung, Schutzklausel und Beitrag
Anteil der Stellungnahmen, die sich zum jeweiligen Thema äussern. Ergebnisbericht des EDA vom 13.3.2026, Anhang I.
22 von 26 dafür
Kosten, Studiengebühren, Wasserkraft
- Mehraufwand abgelten: Fast alle Kantone finden, der Bund unterschätze ihre Vollzugskosten.
- Studiengebühren: Der Bund soll die Ausfälle zu 100 % übernehmen. Er hat in der Botschaft auf 100 % für 4 Jahre erhöht.
- Wasserkraft: UR, NW, GL, GR, TI, VS verlangen eine verbindliche Bestätigung, dass Konzessionen, Wasserzins und Heimfall nicht betroffen sind.
- Schutzklausel regional: TI, BS, NE, JU wollen regionale Auslösung und Einbezug bei den Schwellenwerten.
- Mitwirkung: Die KdK will die Mitwirkung beim Decision Shaping rechtlich absichern; eine Vereinbarung Bund–Kantone wurde im April 2026 genehmigt.
Sechs dafür, zwei dagegen
Positionen nach Gruppe und Thema
Gesamtposition nach Gruppe
Beurteilung der Themen
311 Organisationen durchsuchen
Zeile antippen für Kernaussage und Forderungen. Die farbigen Felder zeigen die Haltung zu den 13 Themen in dieser Reihenfolge: institutionelle Elemente, Beihilfen, Zuwanderung, Lohnschutz, Landverkehr, Luftverkehr, MRA, Landwirtschaft, Programme, Kohäsion, Strom, Lebensmittel, Gesundheit.
| Organisation | Gruppe | Position | Themen | Referendum |
|---|
Eine organisierte Kampagne
Rund 930 automatisch getrennte Einzeleingaben, anonymisiert ausgewertet (offiziell 1059). Der Bundesrat erfasste sie nur statistisch; ein erheblicher Teil sei KI-gestützt erstellt.
Haltung
Herkunft des Textes
Häufigste Themen
Lesart: Die Privateingaben zeigen die Mobilisierungskraft der Gegner, nicht die Meinung der Bevölkerung.
Zahlen zur Vernehmlassung
Offizieller Ergebnisbericht und eigene Kodierung.
Eine Versicherung, kein Wachstumsprogramm
Fast der ganze bezifferte Nutzen ist ein vermiedener Verlust. Entscheidend ist der Vergleich mit dem realistischen Gegenpfad, der schleichenden Erosion. Genau dafür fehlt in allen Studien eine Modellrechnung.
Ja, Fassung Bundesrat
Inkrafttreten frühestens 2028, fakultatives Referendum, Umsetzung gemäss Botschaft.
Ja, Fassung Ständerat
Ständemehr, Schubert-Praxis in der Verfassung, verschärftes Ausländerrecht, Brüssel-Stelle. Hängt vom Nationalrat ab.
Nein, danach Erosion
Abkommen gelten weiter, werden aber nicht mehr aktualisiert; kein Strom, Horizon endet, sektorielle Rückstufungen wie seit 2021.
Totalwegfall Bilaterale I
Modell der Studien (−4,9 % BIP bis 2045). Kein wahrscheinlicher Pfad.
Machtverschiebung zur Exekutive
| Akteur | Künftig | Richtung |
|---|---|---|
| Bundesrat, Verwaltung | Mitsprache in Brüssel, Streitführung, Auslösung von Schutz- und Ausgleichsmassnahmen | gestärkt |
| Parlament | Information und Konsultation, kein Mandatsrecht; Ständerat: Brüssel-Stelle | eingerahmt |
| Volk | Referendum unverändert, ein Nein hat aber einen Preis | bepreist |
| Kantone | mehr Mitwirkung, weniger Autonomie (Beihilfen, Berufe, Netzanschluss) | gemischt |
| Bundesgericht | entscheidet, ob bewusst abweichende Gesetze vorgehen | gestärkt |
Bezifferte Mehrkosten
| Posten | Mio. CHF/Jahr |
|---|---|
| Sozialhilfe (3000–4000 zusätzliche Beziehende) | 56–74 |
| Ergänzungsleistungen (Bund und Kantone) | ≈ 7 |
| Studiengebühren ab dem 5. Jahr | 21,8 |
| IMI-Koordination Lohnschutz, Pflanzengesundheit | ≈ 2 |
| Total (Jahr 1–4 / ab Jahr 5) | 60–85 / 85–105 |
Nicht beziffert in mindestens acht weiteren Bereichen. Eine Lastenausgleichsregel fehlt.
Der Streit dreht sich um Szenario und Messgrösse
Alle Modelle rechnen mit dem Totalwegfall der Bilateralen I. Weil ein grosser Teil des Effekts Bevölkerungswachstum ist, fällt er pro Kopf viel kleiner aus.
| Studie | Auftrag | Szenario | BIP 2045 | Pro Kopf |
|---|---|---|---|---|
| Ecoplan 2025 | SECO | Totalwegfall Bilaterale I | −4,9 % | −1,65 % (≈ −2500 CHF) |
| BAK Economics 2025 | economiesuisse (pro) | Totalwegfall + Standorteffekt | −7,1 % | −4,7 % |
| Swiss Economics 2026 | autonomiesuisse (contra) | Neuanalyse Ecoplan | für die heutige Wohnbevölkerung nur +0,9 % Vorteil | |
| Ecoplan Strom 2025 | BFE | gegen «keine Kooperation» | +0,5 % (2050) | Strompreis bis −14 % |
| Infras 2025 (Medtech) | SECO | reale MRA-Blockade seit 2021 | Mehrkosten 0,9–1,3 % des Umsatzes bei Kleinfirmen, 0,03–0,06 % bei Konzernen | |
Gewinner und Verlierer
Eigene Einschätzung auf Basis der Botschaft, der Vernehmlassung und externer Studien. Die Bilanz vergleicht die Annahme mit dem Erosionspfad ohne Paket, nicht mit dem heutigen Zustand. «Gewinner» heisst: Der eigene Nutzen überwiegt die eigenen Kosten; über die Grösse des gesamtwirtschaftlichen Effekts sagt das nichts. ++ stark positiv, + positiv, ○ neutral, − negativ, −− stark negativ.
| Gruppe | bei Annahme | bei Erosion | Bilanz | Nutzen | Kosten, Einwände |
|---|
Warum die starke Schweizer Forschung trotzdem profitiert
Horizon verteilt kein Geld nach Bedarf, sondern im Wettbewerb an die besten Anträge. Gerade weil Schweizer Forschende stark sind, gewinnen sie überdurchschnittlich: Die ERC-Erfolgsquote lag bei rund 24 % gegenüber rund 11 % im europäischen Schnitt; im 7. Forschungsprogramm flossen 219 Mio. CHF mehr zurück als einbezahlt. Der Nutzen liegt im Zugang zu Wettbewerb, Prestige und Netzwerken und im Halten von Spitzenleuten, nicht in Entwicklungshilfe.
Dagegen steht: Der Bund kann Mittel national ersetzen (2021–2024: 2,6 Mrd. CHF), der BIP-Effekt ist klein (−0,18 % bis 2045), Horizon 2020 brachte 2014–2017 einen Nettoabfluss (724 gegenüber 654 Mio. CHF), die Programme kosten den Bund rund 680–720 Mio. CHF pro Jahr, und die Hochschulen verlieren bei den Studiengebühren.
SBFI: zehn Jahre ERC · SBFI: Beteiligung an den Forschungsrahmenprogrammen · Botschaft S. 437, 611, 1002–1004
Eher längeres Bleiben als mehr Zuzug
- Bis zu 570'000 Personen erfüllen 5 Jahre nach Einführung die Voraussetzungen für den Daueraufenthalt (SEM).
- Sozialhilfe +2–2,7 %, spürbar frühestens ab 2035; keine Evidenz für eine Sogwirkung.
- Lohndruck gesamtwirtschaftlich gering, regional im Baunebengewerbe in TI, GE, BS, JU.
- Ob die Schutzklausel wirkt, hat niemand quantitativ untersucht; die Schwellenwerte wären 2002–2024 zwölfmal erreicht worden.
Wenig direkte Änderungen
- Strom: freie Wahl oder Verbleib in der Grundversorgung; Preisvorteil laut Botschaft «eher gering».
- Solaranlage: Minimalvergütung fällt nach 3 Jahren weg.
- Lebensmittel: gleiche Standards wie die EU, kein Preiseffekt, weil der Grenzschutz bleibt.
- Pensionskasse: keine Barauszahlung des Überobligatoriums mehr bei Wegzug in die EU.
- Roaming ist nicht Teil des Pakets; Wohnungsmarkt nicht quantifiziert.
Schleichend, sektoriell, kumulativ teuer
| Bereich | Erwartete Folge | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Bestehende Abkommen | gelten weiter, aber keine Aktualisierungen | sofort |
| Maschinenindustrie | EU-Maschinenverordnung: EU-Bevollmächtigter nötig | 20.1.2027 |
| Medtech | Drittstaatenstatus bleibt (≈ 75 Mio. CHF Mehrkosten pro Jahr laut Branche) | laufend |
| Forschung | vorläufige Horizon-Assoziierung endet, Abwanderungsrisiko [?] | ≈ 2028/29 |
| Strom | kein Abkommen; Importkapazität laut ElCom bis −50 bis −70 % | schrittweise |
| Bundeshaushalt | spart netto ≈ 0,4–0,6 Mrd., teils aufgezehrt durch Ersatzmassnahmen | – |
| Souveränität | keine dynamische Übernahme, aber weiter autonomer Nachvollzug | – |
Das Ständemehr ist die eigentliche Hürde
Kosten früh, Nutzen spät
| 2028 | Inkrafttreten frühestens; MRA-Aktualisierung, Strommarktöffnung, Gesundheitsabkommen |
| 2029–30 | Unionsbürgerrichtlinie anwendbar; Lebensmittelprotokoll; Kohäsionsbeitrag 350 Mio. pro Jahr |
| 2031–33 | Entsenderecht; Ende der Minimalvergütung; Entflechtung Stadtwerke; Studiengebühren-Kompensation endet (2032); volle Beihilfeaufsicht |
| ab 2035 | erste Daueraufenthaltsrechte, mögliche Streitfälle; Sozialhilfekosten spürbar; Bundeskosten ≈ 1,4 Mrd. |
| 2038–45 | Übergangsfristen beim Strom laufen aus; Referenzjahr der BIP-Studien |
- ein Modell der schleichenden Erosion statt des Totalwegfalls
- eine Gesamtabschätzung der Regulierungskosten für KMU
- eine Schätzung, wie viele EU-Rechtsakte pro Jahr zu übernehmen wären
- Wohnen, Infrastruktur und Umwelt der Zuwanderung (Postulat Gössi)
- ein Szenario für Grösse und Kosten von Ausgleichsmassnahmen
- die genauen Gesetzestexte des Ständerats zum Ausländerrecht
- Zahl der EU-Rechtsübernahmen und Anteil mit Parlaments- oder Volksentscheid
- MRA-Aktualisierungen und Exporte von Medtech, Maschinen, Bauprodukten
- Horizon- und ERC-Erfolgsquoten
- Grundversorgungstarife Strom, Grenzkapazitäten, Zubau Solar
- Entsendungen und Kontrollen in Grenzkantonen; Sozialhilfequote von EU-Bürgern
- Streitverfahren und Ausgleichsmassnahmen; Mehrkosten der Kantone ab 2032
Zahlen zu den Konsequenzen
Wirtschaft, Kantone, Sozialwerke, Studien, Umfragen und Demokratie.
Weitere Zahlen zur Verflechtung
Die Schweiz und die 27 EU-Staaten im Vergleich
Wirtschaftsleistung, Wachstum, Arbeitsmarkt, Bevölkerung, Aussenhandel, Staatsfinanzen und Soziales, jährlich seit 2010. Hauptquelle ist Eurostat, das die Schweiz in vielen Statistiken mitführt; fehlende Schweizer Werte stammen aus BFS, EFV oder IWF.
Wo die Schweiz steht
Neuester verfügbarer Wert je Indikator, Rang der Schweiz unter allen Ländern mit Daten (1 = bester Wert, gemessen an der Richtung des Indikators).
| Indikator | Jahr | Schweiz | EU-27 | Bestes Land | Rang CH |
|---|
Indikator wählen
Rangliste
Entwicklung seit 2010
Zwei Indikatoren gegeneinander
Alle Werte des gewählten Indikators
Alle Zahlen mit Quelle und Fundstelle
Jede Zahl stammt aus einer amtlichen Quelle, einer Studie oder der eigenen Kodierung der Vernehmlassung. «geprüft» heisst: im Originaltext gesehen; «sekundär» heisst: nur aus Zusammenfassungen oder Medien belegt.
| Bereich | Kennzahl | Wert | Bezug | Erläuterung | Quelle |
|---|
Amtliche Grundlagen
Direktlinks auf Fedlex und parlament.ch.
Wer was berechnet hat
- Alle 318 Stellungnahmen und 1059 Privateingaben wurden von Fedlex geladen (rund 11'000 Seiten) und als Text ausgewertet.
- 311 Organisations-Stellungnahmen wurden einzeln nach einheitlichem Schema KI-gestützt kodiert (Gesamtposition, 13 Themen, Referendum); Dubletten wurden bereinigt, Grenzfälle sind ermessensabhängig.
- Privateingaben wurden automatisch getrennt (934 Segmente) und nur anonymisiert und aggregiert ausgewertet.
- Zahlen zur Botschaft stammen aus dem Volltext (BBl 2026 615) mit Seitenangabe; Ständeratsresultate aus den Abstimmungsprotokollen.
- Externe Zahlen stammen aus amtlichen Statistiken (BAZG, BFS, SNB, SEM, EFTA, Eurostat) und benannten Studien; interessengebundene Auftraggeber sind gekennzeichnet.
- Stand der Daten: 13.–18. Oktober 2026.